Programm

Korla

Ende der 1940er Jahre tauchte in Hollywood wie aus dem Nichts ein mysteriöser Musiker auf, der einen Turban trug, hypnotisch in die Kamera schaute und wie kein anderer Hammond-Orgel spielte: Korla Pandit. Es ist die Geburtsstunde exotischer Populärmusik. Über Nacht wurde Korla zu einem gefeierten Star, der eine unglaubliche Anziehungskraft auf seine Fans ausübte. Er bekam seine eigene TV-Sendung in Los Angeles – Korla Pandit’s Adventures in Music. Bemerkenswert war, dass der Musiker in den über 900 Episoden der Sendung zwischen 1949 bis 1951 kein einziges Wort sprach. Korla sollte aus New Dehli stammen, die Mutter eine französische Opernsängerin und der Vater ein indischer Regierungsbeamten. Doch wer dieser Mann wirklich? Bis zum Ende seines Lebens 1988 hielt Korla Pandit an seiner indischen Persona fest. In den 1990er Jahren fand seine Musik neue Fans, darunter Carlos Santana, Booker T. Jones oder Steven Halpern. Fast 30 Jahre nach seinem Tod sucht und findet John Turner die überraschende Wahrheit über diesen “man of mystery” im Showbusiness der 1950er und 1960er Jahre.
USA 2015, Regie: John Turner, 78 Min., OF

Vorfilm: Bente‘s Voice
Die 11-jährige Bente hat eine schöne Stimme und will Popstar werden. Ihr Erfolg bei „The Voice Kids“ verändert ihr Leben sehr. Je weiter sie beim Wettbewerb kommt, desto mehr fragt Bente sich: Will ich das wirklich?
NL 2012, Regie: Marijn Frank, mit Bente Fokkens, 30 Min., niederl. OmengU
Do. 7.2. / 20:30 * mit Einführung


Russlands Wunderkinder [Teil 1 und 2]
Stundenlanges üben ist ihnen lieber als Spielzeug, und so beherrschen Lena, Ira, Mitja und Nikita schon im Alter von 8 oder 10 Jahren das Klavier wie erwachsene Profis. Aus allen Provinzen Russlands sind sie nach Moskau gekommen, um dort an der berühmten Musikschule auf eine glänzende Konzertkarriere vorbereitet zu werden.
Teil I des Filmprojekts begleitet die unglaublich talentierten und disziplinierten junge Pianist*innen zwei Jahre lang bei ihrer Ausbildung und bei Konzertauftritten. Irene Langemann zeigt ihre enorme Selbstdisziplin, die große materielle Armut, in denen die Kinder im Musikinternat leben wie auch ihre Liebe zur Musik, für das sie all das auf sich nehmen.
Zehn Jahre später setzte die Regisseurin ihren Film fort. Im zweiten Teil begegnen wir wieder Lena, Ira, Mitja und Nikita. Wie können sich die ehemals süßen „Wunderkinder“ bei der harten Konkurrenz in der Erwachsenenwelt behaupten? Haben sich ihre Ziele geändert? Wie viel können und wollen sie noch geben, um für die Musik zu leben?
D 2000 & 2010, Regie: Irene Langemann, mit Elena Kolesnitschenko, Dmitri Krutogolovy, Nikita Mndoyants, Irina Tschistjakowa, je 98 Min., OmU
Teil 1: Do. 7.2. / 18:00 * mit Einführung
Di. 12.2. / 18:00 
Teil 2: Fr. 8.2 / 18:00 * mit Einführung
Di. 12.2. / 20:30


Gloria
Im Alter von sechzehn Jahren meldet sich Gloria Trevi zum Vorsingen bei dem renommierten Musikproduzenten Sergio Andrade und wird in den 90er Jahren mit kontroversen Texten und explosiven Hits zum Superstar. Der Film zeichnet das Leben »mexikanische Madonna« nach, erzählt von ihren Triumphen, Niederlagen sowie dem dunklen Weg in die emotionale Abhängigkeit. Vier Jahre vor den Anfängen der #metoo-Bewegung von 2018 entstanden, zeigt der Film das wahre Gesicht des Missbrauchs, der sich tagtäglich als angebliche Normalität auch in der Musikindustrie abspielt.
Der Schweizer Regisseur Christian Keller musste während der über zehn Jahre dauernden Realisierung des Spielfilms viele Widrigkeiten beseitigen wie zum Beispiel eine Anklage von Gloria Trevi selbst. Es hat sich gelohnt: Fünf Auszeichnungen mit den mexikanischen Akademie Ariel Awards, u.a. für Sofia Espinosa in der weiblichen Hauptrolle, die im Film alle Songs singt.
MEX 2014, Regie: Christian Keller, mit Sofía Espinosa, Osvaldo Ríos, Marco Pérez, 126 Min., span. OmU
Fr. 8.2. / 20:30 * mit Einführung;
So. 10.2. / 18:00


The Great Hip Hop Hoax
Da Gavin Bain und Billy Boyd als Rapper mit ihrem schottischen Akzent keinen Erfolg haben, erfinden sie sich kurzerhand neu als kalifornisches Hip-Hop-Duo „Silibil n‘ Brains“. Ihre perfekt einstudierte neue Identität täuscht Produzenten wie Fans, ihre CDs und Konzerttickets verkaufen sich bestens und ihr Betrug bleibt mehrere Jahre unbemerkt. Jahre später reflektieren Bain und Boyd darüber, wie weit ihr verzweifeltes Streben nach Ruhm sie getrieben hat und welche Konsequenzen Ehrlichkeit und Authentizität in einer vom Schein dominierten Industrie haben.
GB 2013, Regie: Jeanie Finlay, mit Gavin Bain, Billy Boyd, 93 Min., engl. OF
Fr. 8.2. / 22:45 * mit Einführung
Mo. 11.2. / 20:30


Überraschungsfilm
Von den inzwischen fünf Verfilmungen des Stoffes ist die hier präsentierte zweifellos die Interessanteste. So viel sei verraten: Es geht um eine Amour Fou in Hollywood und – natürlich – auch um Musik. Genauer gesagt um eine junge Sängerin auf dem Sprung zu einer großen Karriere. Der „film-dienst“ schrieb seinerzeit: „… niemand kann leugnen, dass dieser Film artistisch in jeder Hinsicht eine Glanzleistung ist.“ Fast drei Stunden großes Kino, ausgezeichnete Darsteller*innen und ein Set-Design, das seinesgleichen sucht.
Sa. 9.2. / 18:00 * mit Einführung


MATHANGI/MAYA/M.I.A.
Mathangi »Maya« Arulpragasam alias M.I.A. wird 1975 in Sri Lanka geboren. Ihr Vater ist einer der Gründer der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung. Als sie neun Jahre alt ist, flieht ihre Mutter mit ihr nach London. Die Doku basiert auf einer Sammlung sehr persönlicher Videos der letzten 22 Jahre. Sie skizzieren den bemerkenswerten Weg vom Einwandererkind Maya zum international gefeierten Popstar M.I.A. Inspiriert von ihren tamilisch-srilankesischen Wurzeln, sammelt M.I.A. auf ihrer »Reise« allerorten musikalische Versatzstücke und schafft daraus eine bunte Identitätscollage und ein akustisches Skizzenbuch: Elemente aus Hip-Hop, Dancehall, Grime, Electro, Pop, Funk, Asian Folk und weiteren Genres vereinen sich mit politisch-provokanten Texten. Denn M.I.A. testet immer wieder neue Grenzen aus.
USA/GB 2018, Regie: Steven Loveridge, mit Maya Arulpragasam, 100 Min., engl. OmU
Fr. 8.2. / 21:00 * mit Einführung
Mo. 11.2. / 18:00
Mi. 13.2. / 20:30


Casanova Variations
Der legendärste Playboy des 18. Jahrhunderts, Giacomo Casanova, verbringt seine letzten Lebensjahre als Bibliothekar in einem einsamen Schloss. Alt und melancholisch, erinnert er sich an die schönen Exzesse seiner jungen Jahre. Die Erinnerungen erscheinen in seiner Fantasie wie opulent-skurrile Szenen aus Opern von Mozart. Dann wechselt die Perspektive zu einer modernen Theaterproduktion des CASANOVA im Opernhaus Lissabon, in der Schauspieler John Malkovich den Casanova verkörpert. Der nahtlose Wechsel zwischen Zeiten, Genres und Perspektiven leuchtet die Vergänglichkeit des Ruhms von verschiedenen Seiten aus. Wer war Casanova, als sein Ruf verblasste? Bereute er seine Taten, jetzt, wo der Ruhm vergangen war? Mit einer sängerisch wie schauspielerisch hochkarätigen Besetzung schafft Regisseur Michael Sturminger ein vergnügliches Verwirrspiel auf mehreren Ebenen.
F/A/P/D 2014, Regie: Michael Sturminger, mit John Malkovich, Veronika Ferres, Miah Persson, Kate Lindsey, Jonas Kaufman, 118 Min., OmU
Sa. 9.2. / 22:45 * mit Einführung


Das Phantom der Oper 
Ein geheimnisvolles Phantom droht den Direktoren der berühmten Pariser Oper mit einer Katastrophe, sollten sie nicht der jungen Sängerin Christine Daaé statt der Zweitbesetzung die Hauptrolle geben. Sie geben dem Erpresser nach, doch schon einen Abend später steht wieder Opernstar Carlotta als Hauptdarstellerin auf der Bühne. Prompt kommt es zur Katastrophe: Das Phantom lässt einen riesigen Kronleuchter auf das Publikum stürzen und verschleppt Christine in sein tief unter der Opernbühne verborgenes Versteck. Der Viscount Raoul Chagny, Christines Geliebter, setzt nun alles daran, sie aus den Fängen des Phantoms zu befreien.
Rupert Julian, der erste neuseeländische Regisseur Hollywoods, schuf den Film nach einer Romanvorlage von Gaston Leroux von 1910. Von ursprünglich mehreren in Zweifarben-Technicolor gedrehten Szenen ist heute nur noch die Maskenballszene erhalten.
USA 1925, Regie: Rupert Julian, mit Lon Chaney, Mary Philbin, 106 Min., engl. & dt. Zwischentitel
So. 10.2. / 18:00 * Kulturkirche St. Stephani
Livemusik-Begleitung an der Orgel durch Tim Günther
Karten an der Abendkasse


Gundermann
Gerhard „Gundi“ Gundermann war als »singender Baggerfahrer« ein Idol der späten DDR und dann eine Ikone der Wendezeit. Mit seiner rauen Stimme, seiner Gitarre und den systemkritisch-melancholischen Songs wurde er zur Stimme des Umbruchs. Gundi besang seine Heimat, die Niederlausitz, seine Arbeit im Tagebau und den DDR-Alltag zwischen Tristesse und kleinen Freuden. Er war überzeugter Kommunist und Stasi-Spitzel zu DDR-Zeiten, später dann ein Regimegegner, der selber bespitzelt wurde. Mit seinen volkstümlichen Songs voller Seele schaffte Gundermann es ins Vorprogramm von Bob Dylan, schuftete aber weiter im Bergbau, weil er sich nicht dem Kommerz unterwerfen wollte.
Regisseur Andreas Dresen (Halbe Treppe, Sommer vorm Balkon) hat 12 Jahre auf diesen Film hingearbeitet. Er erzählt durch Gundermanns Leben (1955-1998) von den vielen Widersprüchen und Lebenslügen einer Generation, die zu jung für die DDR und zu alt für die Berliner Republik war. Gespielt wird Gundi von Alexander Scheer, der selbst die oft ausgespielten und unplugged vorgetragenen Lieder singt und dies ist der größte Trumpf des Films. Ein typischer Dresen-Held – ein schräger Vogel, fast ein Loser, aber auch genial. Dabei zeigt Dresens zarter Film vor allem, dass es nicht immer einfach ist, ein Leben ohne Widersprüche zu führen.
D 2018, Regie: Andreas Dresen, mit Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl, 127 Min
So. 10.2. / 20:30 * mit Drehbuchautorin Laila Stieler
Mi. 13.2. / 18:00
Mi. 20.2. / 15:00

Werbeanzeigen