Archiv: MFF 2017

Sound of Heimat – Deutschland singt / Eröffnung

In dem musikalischen Roadmovie macht sich der neuseeländische Musiker Hayden Chisholm auf eine Entdeckungsreise quer durch Deutschland – auf die Suche nach deutscher Volksmusik. Als Fremder mit unverstelltem Blick und mit offenem Ohr für die Texte und Melodien moderner und traditioneller Musiker, trifft er auf eine lebendige Vielfalt an kölscher, friesischer, fränkischer, erzgebirgischer oder bayrischer Weltmusik. Nebenbei widerlegt er so einige Vorurteile über die angebliche Verstaubtheit und Heimattümelei.

„Dieselben Menschen [in Deutschland], die feuchte Augen bekommen, wenn ein alter Indio in den Anden zum tausendsten Male „El Cóndor Pasa“ in seine Panflöte bläst, kriegen Pickel, wenn man sie auf die Melodien ihrer Heimat anspricht“,  so Hayden Chisholm

D 2012, Regie: Arnie Birkenstock & Jan Tengeler, 90 Min.
Ein Abend in Kooperation mit der Arbeitnehmerkammer Bremen

Do. 26.1 / 19:30 * mit Gästen

Zur Eröffnung werden Hayden Chisholm und Loni Kuisle spielen, singen, jodeln und Fragen zum Film mit Peter Schenk und dem Publikum diskutieren.

Hayden Chisholm ist Saxofonist, Komponist und Protagonist des Films Sound of Heimat. Seine Musik umfasst mehrere Genres von Jazz, Klassik, traditionelle Musik bis hin zu eigens entwickelten mikrotonalen Systemen. Seine Kompositionen wurden von dem BBC und WDR aufgenommen, in 2013 bekam er den SWR Jazz Preis.
Loni Kuisle ist Gesangs- und Jodellehrerin. In ihren außergewöhnlichen Jodelkursen wandern die Teilnehmer über ausgesuchte Plätze in den Allgäuer Bergen und erleben somit Musik, Natur, Geschichte und Kommunikation mit Leib und Seele.
Peter Schenk organisiert und moderiert die erfolgreichen Bremer „Heimatabende“ der Arbeitnehmerkammer, die das Leben und Überleben in der Stadt in Interviews, Diskussionen und Musikbeiträgen unterhaltsam thematisieren.

Song of Lahore

Die pakistanische Gesellschaft befindet sich in sozialem und religiösem Umbruch. Islamisierung, ethnische Spaltung, Krieg und Korruption haben das kulturelle Gewebe Pakistans zerrissen. „Song of Lahore“ geht der Frage nach, ob es überhaupt noch einen Platz für klassische Musiker im „neuen“ Pakistan gibt. Nachdem die Musiker des Sachal Ensembles jahrelang abseits der Öffentlichkeit geschuftet haben, um ihr kulturelles Erbe aufrecht zu erhalten, erlangen die Sachal Studios durch ein innovatives Album plötzlich internationale Anerkennung. Wynton Marsalis lädt die Musiker daraufhin zu einem Konzert mit seinem Orchester am Jazz at Lincoln Center in New York ein. Bei dem musikalischen Experiment, treffen sehr unterschiedliche Musiktraditionen aufeinander. Nach herausfordernden Proben bringen die Musiker zusammen ein außergewöhnliches Konzert auf die Bühne.

Das Sachal Ensemble erfährt mittlerweile weltweiten Zuspruch für seine Musik. In Pakistan selber müssen sie sich weiter der großen Aufgabe stellen, eine Kunst zurückzuerobern und neu zu beleben, die ihren Platz zu verlieren droht.

USA 2015, Regie: Sharmeen Obaid-Chinoy & Andy Schocken, 82 Min., OmengU

Fr. 27.1. / 18:00

 

Die Leuchte Asiens / Stummfilm

In prächtigen und monumentalen Bildern erzählt der Film die Lebensgeschichte und den spirituellen Werdegang des Buddhas Gautama. „Die Leuchte Asiens“ war die erste deutsch-indische Filmproduktion sowie die erste internationale Koproduktion Indiens. Der deutsche Regisseur Franz Osten drehte zusammen mit dem indischen Regisseur Himansu Rai ausschließlich an Originalschauplätzen in Indien. Der Maharaja von Jaipur stellte dafür seinen Hofstaat, sein Schlosspersonal und 30 Elefanten zur Verfügung. Der Film bietet dadurch einen einzigartigen Blick auf das Indien der 1920er Jahre.

Für die Bremer Aufführung am 27. Januar wird eine neue Filmmusik komponiert, arrangiert und live gespielt. Die Zusammenarbeit des preisgekrönten indischen- und Weltmusikers Willy Schwarz  mit dem jungen Komponisten Riccardo Castagnola verbindet klassische indische Musik auf Originalinstrumenten mit zeitgenössischer Klangkunst. Die Musik erschafft eine Brücke zwischen Ländern und Zeiten.

IND/D 1925, Regie: Franz Osten & Himansu Rai, mit The Indian Players Company, 97 Min., DF

Fr. 27.1. / 20:30 * mit Livemusik und Gästen
Der Abend wird ermöglicht mit freundlicher Unterstützung der indischen Botschaft, Berlin

Blackhearts

Die norwegische Black Metal-Musikszene ist berühmt-berüchtigt. Der Film folgt den Spuren von drei hardcore Black Metal-Fans bei ihrer abenteuerlichen Tour von Südamerika nach Europa bis in den Nahen Osten. Sie verehren die norwegische Black Metal Musik und haben ihr Leben danach ausgerichtet. Alle drei haben einen extrem religiösen und politischen Hintergrund. Um Black Metal zu spielen und nach dessen Ideologie zu leben, sind sie bereit, Entfremdung, Gefangenschaft und sogar den Tod in Kauf zu nehmen.

„Blackhearts“ nimmt die Zuschauer mit in die Köpfe und Herzen von Hector, Kaiadas und Sina, die ihre Musikleidenschaft über alles stellen. Der Film erkundet, wie sich eine Musikszene über religiöse, kulturelle und politische Grenzen hinweg entwickeln kann und bietet überraschend neue Blickwinkel.

NOR 2016, Regie: Fredrik Horn Akselsen, Christian Falch, 83 Min., norweg. OmengU

Fr. 27.1. / 22:30

La Bohéme am Kap – Breathe Umphefumlo

Die beiden Studenten Mimi und Lungelo verlieben sich ineinander und träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Ihr Traum von einem Leben voller Kunst und Schönheit wird aber vom harten Alltag in Südafrika eingeholt. Mimi verheimlicht, dass sie an Tuberkulose erkrankt ist und dringend Medikamente braucht. Als sich ihr Zustand verschlechtert, trennt sie sich von ihrer Liebe Lungelo. In Zoleka findet sie eine Freundin, die ihr beisteht.

„La Bohéme am Kap“ ist die dritte Opernverfilmung des renommierten südafrikanischen Isango Ensembles. 2005 konnten sie mit der „Carmen“-Adaption „U-Carmen Ekhayelitsha“ den Goldenen Bären bei der Berlinale gewinnen. Regisseur Mark Donford-May und Sängerin Pauline Malefane haben Puccinis Oper „La Bohème“ musikalisch neu arrangiert, in Xhosa übersetzt und im heutigen Südafrika inszeniert. Dadurch gewinnt die Oper an Brisanz und Aktualität.

D 2015, Regie: Mark Dornford-May, mit Noluthando Boqwana, Zamile Gantana, Sifiso Lupuzi, 90 Min.

Xhosa OmU

Sa. 28.1. + Mi. 1.2. / 18:00; Di. 31.1. / 20:30

Mali Blues

Musik prägt Malis kulturelle Identität. Doch sie wird von radikalen Islamisten bedroht. Islamistische Fanatiker, die weite Teile von Malis Norden beherrschen, haben Tanz und weltliche Musik verboten. Viele Musiker*innen flüchteten aus Furcht um ihr Leben. Der Film folgt einigen Stars des Landes auf eine musikalische Reise ins verstörte Herz Malis: Fatoumata Diawara war als Shooting-Star der Weltmusik-Szene bereits in Köln in der Philharmonie zu erleben und beim Afrika Film Festival als Schauspielerin in den Spielfilmen „Sia“und „Timbuktu“; Bassékou Kouyaté ist Meister an der Ngoni, der traditionellen malischen Laute; Ahmed Ag Kaedi ist ein von Jimi Hendrix beeinflusster Virtuose an der E-Gitarre und Leader der Tuareg-Band „Amanar“; Master Soumy ist ein junger Rapper. Sie alle treten mit ihrer Musik gegen Fanatismus, Hass und Gewalt und für einen toleranten Islam ein. Ihre Musik gibt Menschen Kraft für Veränderungen und Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft in Frieden. Der Regisseur Lutz Gregor ist anwesend.

D 2016, Regie: Lutz Gregor, 90 Min., frz. OmU

Sa 28.1., Mo. 30.1. + Mi. 1.2. / 20:30 * mit Gast

Electro Chaabi

Trotz oder gerade wegen der politischen Spannungen und dem umstrittenen Präsidenten in Ägypten hat sich in der ägyptischen Musikszene ein Trend enorm schnell verbreitet: Electro Chaabi. Die traditionelle Sha’abi-Musik wird mit alten PCs, Keyboards und im Internet gefundenen Remix-Programmen elektronisch gepimpt. Die oftmals schrillen Rhythmen werden begleitet von verzerrten Sprechgesängen, deren Texte sarkastisch und provokant die Sorgen des Alltags in den Armenvierteln aufgreifen. Wir tauchen ein in eine männlich-dominierte, jugendliche Subkultur, die sich innerhalb einer streng regulierten Gesellschaft durch die Musik einen Raum der freien Rede erkämpft. Von den Armenvierteln Kairos katapultiert Electro Chaabi die DJs in den Mainstream der Popkultur und in die Berühmtheit. Neben der Musik bietet der Film seltene Einblicke in das Leben in den dicht besiedelten Gässchen und Hinterhöfe der armen Vororte Kairos.

Egypt/F 2013, Regie: Hind Meddeb, 77 Min., OmengU

Sa. 28.1. / 22:30

 

Sumé: The Sound of a Revolution

Zwischen 1973 und 1976 veröffentlichte die grönländische Rock Band Sumé drei Schallplatten, die die Geschichte Grönlands veränderten. Stilistisch vom amerikanischen Protest-Rock inspiriert, schrieben und sangen sie Lieder in grönländischer Sprache zur Unterstützung der damaligen Bewegung, von Dänemark unabhängig zu werden. In wunderschönen Archivaufnahmen zeigt der Film die ursprünglichen Bandmitglieder, Fans und politische Aktivisten und trifft sie heute wieder. Wie hat Sumés Musik auf die Grönländer gewirkt? Wie steht es jetzt mit der Unabhängigkeit? Und wie macht man eine Konzerttournee durch ein Land, das neben der Antarktis die geringste Bevölkerungsdichte hat und wo manche Regionen nicht über Land befahrbar sind?

Grönland 2014, Regie: Inuk Silis Høegh, mit Malik Høegh, Per Berthelsen, Lise Hegelund, 74 Min., dän./grönländisch OmU

So. 29.1. + Mo. 30.1. / 18:00

Presenting Princess Shaw

Samantha Montgomery ist eine junge Frau, die tagsüber als Pflegehelferin arbeitet und in einem Armenviertel in New Orleans lebt. Nachts postet sie als Princess Shaw ihre acappella Songs auf YouTube. Ohne ihr Wissen mischt der in Israel lebende Kutiman ihre Lieder neu. Kutiman ist als Musiker für seine einzigartigen Mixes aus gefundener Online Musik berühmt geworden. Und so beginnt im digitalen Zeitalter ein regelrechtes Aschenputtel-Märchen, das uns wieder ein ganz klein wenig an Wunder glauben lässt. Denn über Nacht wurden sie mit dem Projekt «Thru You Too» zu YouTube-Stars.

Israel 2016, Regie: Ido Haar, mit Kutiman, Samantha Montgomery, 80 Min., engl. OF

So. 29.1. / 20:30

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